Gegentreffer in der Nachspielzeit bringt 3:2 Niederlage beim SV Ruchheim

Eine unglückliche aber nicht unverdiente Niederlage  kassierte unsere Mannschaft im ersten Relegationsspiel beim SV Ruchheim. Der Treffer zum 3:2 (1:2) fiel in der 92. Spielminute. Vor allem haderte man mit dem Elfmeter für die Gastgeber der dem Spiel eine entscheidende Wendung gab. Als alle dachten es gäbe Gelb wegen einer Schwalbe zeigte Schiedsrichter Maurice Jung auf den Punkt. Nun muss am Sonntag im Rückspiel ein Sieg her um ein drittes entscheidendes Spiel zu erzwingen. Lesen Sie hierzu auch den Bericht von Sport aus Mainz. 

Ruchheim. Mit dem Schlusspfiff stürmte alles, was um die Bank des SV Ruchheim gesessen und gestanden hatte, auf das Feld. Trainer, Spieler, Betreuer sprangen einander in die Arme, sie feierten den 3:2 (1:2)-Heimsieg über die SVW Mainz, als ob sie damit schon in die Fußball-Landesliga aufgestiegen wären.

Doch noch sind die Weisenauer nicht aus dem Rennen, am Sonntag bitten sie zum Rückspiel (Anstoß: 15 Uhr). Klar ist aber, dass der Tabellenzweite der rheinhessischen Bezirksliga eine komplett andere Leistung benötigt, um eine dritte Partie zu erzwingen, das am Mittwoch in Alzey stattfinden würde.

Die überschäumende Freude der Gastgeber war vor allem der Tatsache geschuldet, dass der Siegtreffer erst in der Nachspielzeit fiel. Nur zwei Minuten hätten die Weisenauer noch überstehen müssen, um mit einer deutlich besseren Ausgangssituation in die zweite Begegnung zu gehen. „Letztendlich haben wir zu Recht gewonnen“, sagte der Ruchheimer Trainer Tobias Ehrenberg, nachdem er sich mit seinen Spielern abgeklatscht hatte. „Wir hatten ein Chancenplus, waren präsenter und zweikampfstärker.“

Dem wollte und konnte Jochen Walter nicht widersprechen. „Unter dem Strich waren die Ruchheimer das eine Tor besser“, stimmte der SVW-Coach seinem Kollegen zu. „Durch den blöden Elfmeter haben sie Oberwasser bekommen.“

Umstrittener Elfmeter

Dieser Strafstoß war nicht unumstritten. Patrick Hauptmann war im Weisenauer Sechzehnmeterraum beim Dribbling zu Fall gekommen. Die Gäste plädierten auf Schwalbe, doch Schiedsrichter Joel Maurice Jung stand näher am Geschehen und hatte gute Sicht auf die Situation. „Ich mag das nicht bewerten“, sagte Walter. „Aber besonders glücklich sah der Kamerad nicht aus.“ David Gerner trat zur Exekution an, verlud Paul Bienefeld und traf zum 2:2 ins rechte Eck (63.).

Die Weisenauer haderten mit einer weiteren Entscheidung des Unparteiischen. Der Ruchheimer Felix Jung war nach einem Foul an ihm zum am Boden liegenden Gegenspieler gegangen und hatte ihm von oben mit der Hand noch eine mitgegeben. Schlag oder Schubser – es roch nach Tätlichkeit. Der Schiedsrichter war auf Deeskalation bedacht und ermahnte lediglich beide Akteure (40.). Genauso hatte er allerdings auch reagiert, als sich Bienefeld mit einem Ruchheimer anlegte.

Der Elfmeter hatte durchaus entscheidenden Charakter, es wäre aber etwas billig, die Niederlage nur darauf zurückzuführen. Mit dem 2:2 jedenfalls endete die einzige Phase, in der die Gäste gut im Spiel waren und das Geschehen bestimmten – und diese Phase war von lediglich 18-minütiger Dauer. Davor und dominierten die Ruchheimer.

Fast alle Laufduelle verloren

Von Beginn an hatten die Gastgeber hohen Druck aufgebaut. Den Weisenauern schmeckte die robuste, körperbetone Spielweise gar nicht. Sie verloren nahezu jedes Laufduell, nicht weil sie langsamer waren, sondern weil sie sich Schulter an Schulter nicht durchsetzen konnten. Dem hätten sie sich mit eigenem Kombinationsspiel entziehen können. Doch allzu zu oft gingen sie mit dem Ball am Fuß in die Zweikämpfe, die sie mehrheitlich verloren.

Zudem landeten insbesondere in der ersten Hälfte zu viele Pässe beim Gegner. Sprints brachen die Weisenauer häufig ab. Es wirkte fast so, als ob sie mit dem weichen Kunstrasen etwas fremdelten. „Im Prinzip hat alles gefehlt, was uns die letzten Wochen ausgezeichnet hatte“, resümierte Walter.

Die Führung der Gastgeber fiel nicht überraschend. Janosch Diemer hatte bereits in der zweiten Minute die Latte getroffen, brenzlig wurde es auch nach einer Ecke, als Bienefeld etwas unsicher agierte (5.). So wie der Keeper wirkten auch die Feldspieler nervös, gehemmt und beeindruckt. Und als sie sich wieder einmal nicht aus dem Ruchheimer Belagerungsring befreien konnten, passierte es: Ein abgefälschter Distanzschuss von Diemer und landete unerreichbar für Bienefeld im Netz (14.).

Mirkes trifft nach Ecke

Auch danach verschafften sich die Weisenauer nur selten Luft, meist blieben sie mit ihren Versuchen, sich der Umklammerung zu erwehren, im Mittelfeld hängen. Ein Schuss von Thomas Mirkes, der knapp übers Tor strich, war in der 16. Minute ihre erste Offensivaktion, allerdings eher ein Zufallsprodukt.

Beim ersten wirklich sehenswerten Angriff der SVW schloss auch Robin Lehmann etwas zu hoch ab (23.), fünf Minuten später setzte er einen Freistoß auf die Latte. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Mainzer aber gut und gerne schon 0:2 zurückliegen können. Gerner war frei auf Bienefeld zugelaufen und hatte aus spitzem Winkel den langen Pfosten anvisiert, der Keeper lenkte den Ball mit einer Glanzparade zur Ecke (21.). „Die Ruchheimer haben uns nicht zur Entfaltung kommen lassen“, stellte Walter fest. „In den ersten 20, 25 Minuten haben sie ein Feuerwerk abgebrannt.“

Immerhin zeigten die beiden Lehmann-Aktionen, dass seine Mannschaft noch im Spiel war. Der Ausgleich fiel dennoch nahezu aus dem Nichts: Eine halbhoch auf den ersten Pfosten servierte Ecke sah zwar verunglückt aus, sorgte aber für Verwirrung. Die Ruchheimer konnten nicht entscheidend klären, nach einem Schuss aus 15 Metern flipperte der Ball durch den Strafraum, ehe Mirkes ihn mit langem Beim aus kurzer Distanz über die Linie spitzelte (31.). Nicht schön, aber wertvoll.

Einziger Geniestreich bringt Führung

Viel Glück hatte die SVW, nicht umgehend wieder in Rückstand zu geraten. Gerner schloss einen Angriff über die linke Seite mit einem Pfostenschuss ab, der Abpraller sprang an Bienefelds Rücken, doch der Torwart griff zu, bevor der Ball über die Linie rollen konnte (38.).

Dass die Gäste mit einer Führung in die Pause gingen, hatten sie ihrem einzigen Geniestreich an diesem Abend zu verdanken: Mirkes spielte in der letzten Szene vor dem Halbzeitpfiff einen langen Flachpass aus der eigenen Hälfte in den Fuß von Anes Hadzic, der die Innenverteidiger links und rechts stehen ließ und alleine vor Schlussmann Michael Zoll cool vollendete (45.).

Mit der Führung im Rücken traten die Rheinhessen nach dem Seitenwechsel selbstbewusster und mutiger auf, sie besaßen mehr Spielanteile und verlagerten das Geschehen in die gegnerische Hälfte. „Nach der Pause haben die Weisenauer stärker angefangen und kamen in ihre Kontersituationen“, analysierte Ehrenberg, „und wir haben etwas die Struktur verloren.“ Bevor die SVW Kapital aus ihrer leichten Überlegenheit schlagen konnte, machte ihnen der Elfmeter einen Strich durch die Rechnung.

Ruchheimern geht das Personal aus

Quasi im Gegenzug hätte Julian Hornetz seine Elf wieder nach vorne bringen können, doch bei seinem fulminanten Schuss riss Zoll gerade noch rechtzeitig die Fäuste hoch (63.). Und danach stand der Weisenauer Strafraum wieder unter Belagerungszustand. Hauptmann vergab noch zwei gute Chancen (71., 76.), bevor er in der Nachspielzeit den frenetisch bejubelten Siegtreffer setzte.

Ganz so schlecht sind die Aussichten der SVW für Sonntag allerdings nicht. Die Ruchheimer hatten schon im ersten Aufeinandertreffen Personalprobleme. Der Stammkeeper ist gesperrt, sein Ersatzmann hatte sich im letzten Punktspiel verletzt. In der Not hatte der Verein den 46-jährigen, vereinslosen Zoll verpflichtet. Am Mittwochabend zog sich Hüseyin Coskun einen Bänderriss zu, Torjäger Gerner schied mit einer Zerrung aus. „Es wird eng“, sagte Ehrenberg. „Dahinter haben wir nur noch zwei A-Junioren.“

 

Quelle: Sportausmainz.de